Mit Lyriklesungen von Ulrike Schrimpf und Gerald Fiebig, elektronischer Livemusik von EMERGE sowie der Klanginstallation LISTEN von Reinhold Forster (geschichtsagentur augsburg) markiert der Abend den 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch die US-Armee. Zugleich erinnert die Veranstaltung an die Befreiung Augsburgs von der NS-Herrschaft am 28. April 1945.
Die in Augsburg lebende Autorin Ulrike Schrimpf liest aus ihrem Gedichtzyklus „engramme. dinge ohne augen zeugen“. Die Gedichte nehmen dabei sehr persönliche Archivstücke, sog. Effekten aus den Konzentrationslagern zum Ausgangspunkt, wie etwa Familienfotos und Eheringe, die von den ArolsenArchives aufbewahrt werden. Die ArolsenArchives sind ein in Hessen situiertes internationales Zentrum zu Opfern des NS-Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Dokumente zur NS-Verfolgung zu bewahren und international zugänglich zu machen.
Der Augsburger Musiker und Klangkünstler Sascha Stadlmeier alias EMERGE präsentiert eine Konzertfassung seiner elektroakustischen Komposition „steps“. Das Stück wurde ausschließlich aus Klängen komponiert, die in der KZ-Gedenkstätte Dachau aufgenommen wurden.
Gerald Fiebig liest aus seinem Gedichtzyklus „nach dem nachkrieg”, der sich mit der Gebäudegeschichte des heutigen Abraxas beschäftigt: Erbaut als Offiziersheim der Wehrmacht, wurde das Gebäude nach 1945 als Teil der Reese-Kaserne von der US-Armee genutzt.
Umrahmt wird die Konzert-Lesung von der Klanginstallation LISTEN, die bei der Recherche der Häftlingsnamen für den Lern- und Erinnerungsort Halle 116 entstand: Die Klanginstallation gibt Auszüge von Überstellungslisten für die Augsburger Außenlager des KZ-Dachau akustisch wieder.
- Arno Buchegger Stiftung
- Fachstelle für Erinnerungskultur der Stadt Augsburg
- Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.
- Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung
Im 81. Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Erinnern an den Nationalsozialismus, die Shoah und die Beendigung der NS-Herrschaft durch sowjetische, britische und amerikanische Truppen revisionistischen Umdeutungen von unterschiedlichsten Seiten ausgesetzt. Das Sterben der letzten Zeitzeug:innen stellt die Verteidigung der Erinnerung dabei vor zusätzliche Schwierigkeiten. Gedenkorte und Archive gewinnen immer mehr an Bedeutung – aber sie erzählen ihre Geschichten nicht von selbst, sondern bedürfen der Befragung, der Auseinandersetzung. Den Impuls dazu können Kunstwerke geben, die dem Erinnern eine nicht nur sachliche, sondern auch emotionale Dimension geben.